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E. Borneman

Wie Ihr Kind ein besseres Verhältnis zum Sex bekommt

in: "Unser Kind", 1/1985, S. 12 (1985)

Auszüge

Verhältnis des Kindes zum Sexualverkehr der Eltern

Als erstes beanstande ich, daß vorausgesetzt wird, jene Errungenschaften des neunzehnten Jahrhunderts, das elterliche Schlafzimmer und das separate Kinderzimmer, hätten überall und immer existiert. Das stimmt nicht. Von den Höhlen des Altsteinzeit über die Zelte und Hütten der mittleren Steinzeit bis zu den Langhäsern des Neolithikums haben Erwachsene und Kinder stets im gleichen Raum gelebt und keinerlei Mittel besessen, um den Geschlechtsverkehr voreinander zu verheimlichen...

In der gesamten Geschichte der Menschheit gibt es bis zur Erfindung des Kinderzimmers auch kein einziges Beispiel eines durch den Anblick der ehelichen Sexualbeziehung geschädigten Kindes. ...

Wenn man dem Kind aber von Geburt an die Kenntnis dieses arterhaltenden Vorgangs verweigert, dann kann es tatsächlich geschehen, daß diese verspätete Konfrontation des Kindes mit dem Orgasmus der Eltern traumatische Folgen erzeugt. Diese aber nicht als Resultat des elterlichen Geschlechtsverkehrs, sondern im Gegenteil: als Resultat der Tatsache, daß das Kind den natürlichen Übergang vom Schmusen zum Höhepunkt nie miterlebt hat. Was gefährlich ist, ist also keineswegs der Anblick des Geschlechtsverkehrs, sondern der verspätete, unvorbereitete, bis dahin geheimgehaltene Anblick des Verkehrs.